Die Buschmänner - Volk ohne Zukunft?

1961  hatte ich die große Freude, in Angola mit den Buschmännern zu jagen, dabei waren mein Vater, Dr. Georg von Opel, und Werner Trense, der spätere CIC-Generalsekretär. Die Buschmänner wohnten in kleinen Gruppen in mehr offenen Hütten - Buschmannsschirme - trugen knappe Lendenschurze, und die Kinder staunten über den ersten Jeep.

Die Buschmänner besteigen jede sich bietende Erhöhung - Termitenhügel, Baumstämme - um sich einen Überblick zu verschaffen. Sie gelten als die besten Fährtenleser Afrikas, wurden entsprechend von dem Militär, welches gerade in der Gegend war, eingesetzt. Ungerechterweise haben sie sich dadurch bei den jeweiligen Gegnern unbeliebt gemacht.
 

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Im Jahr 2000 nutzte ich die Gelegenheit, um mir in Namibia die 4.000 bis 5.000 Jahre alten Buschmannszeichnungen und Felseinritzungen anzuschauen. Von der sachlichen Eleganz und Aussage dieser Werke bin ich beeindruckt, könnten diese manch heutigem Künstler Anregung und Orientierung geben.

Auf der Fahrt gen Norden erzählte mir mein Begleiter und Reiseführer , Armin Hester, dass 1997 Buschmänner vor der Etosha-Pfanne standen, um hineingelassen zu werden. Es wären etwa 200 gewesen, die sich vor den beiden Eingängen vor Namutoni und Okaukuego versammelt hatten. Doch die Eingangstore hätten sich nicht geöffnet. Tagelang haben sie gewartet, bis dann die Polizei erschienen sei, von der sie dann vertrieben wurden.

Die Buschmänner haben sich nicht gewehrt. Sie waren sehr friedlich. Sie wollten einfach nur zurück in die Etosha, die bis etwa 1965 ihre Heimat war.

Es kann nicht sein, dass wir für die Tiere ein Stück Land reservieren und die Menschen vertreiben?! Die Buschmänner wollten nur in ihre angestammte Heimat, in der sie schon vor ein paar tausend Jahren ihre Kultur entwickelten. Doch seit vielen hundert Jahren gehören sie zu den Vertriebenen, zunächst vertrieben von den Schwarzen, dann von den Weißen. Und so wurden ihnen auch in Namibia ihre Jagdgründe genommen. Fast das ganze Land ist in Farmen aufgeteilt und eingezäunt. Außer dem Kaokoland, über das die Himba und Herero ihre meist viel zu großen Herden treiben.

Die Etosha-Pfanne umfasst rd. 22.000 qkm, per Abzug der eigentlichen Pfanne bleiben noch über 17.000 qkm. Dieses eingezäunte Reservat ist mit Tieren derart übersetzt, dass schon bald nach der Regenzeit die Wasserflächen austrocknen und durch die Überweidung eine fortlaufende Versteppung eintritt.

Die Buschmänner sind Menschen unseresgleichen, Menschen, die es verstanden haben, über Jahrtausende zu überleben, ohne die Natur zu zerstören. Denn sie nehmen fürs Leben nur so viel, wie sie brauchen.

Die Souvenir-Geschäfte in Windhoek bieten traditionelle Handarbeiten der Buschmänner unter "Bushman Art" an, ohne dass die San hiermit etwas zu tun haben. Sie wurden nicht einmal gefragt, ob es ihnen überhaupt recht ist. Es wird einfach nur mit ihrem Namen und ihrer Tradition Geld verdient.

Im Mai 2000 hatte der CIC seine 47. Generalversammlung in Berlin. In seiner Eröffnungsrede fragte der Regierende Bürgermeister, Eberhard Diepgen, die Versammlung: " Wie geht unsere angeblich zivilisierte Welt eigentlich mit Naturvölkern um?" Die ihn betreffende Antwort hatte er sich selbst schon gegeben, nachdem er im vorausgegangenen April nach Namibia reiste und dort mit Windhoek eine Städtepartnerschaft schloss. Sein persönlicher Referent ließ verlauten, dass die außenpolitischen Belange Angelegenheit der Bundesregierung seien.

Partnerschaft ist wichtig, vor allem für ein Land, das von uns viel mehr Entwicklungshilfe bekommt als andere. Partnerschaft ist gut, und die Buschmänner sind in ihrem einsamen Kampf ums Überleben darauf angewiesen. Sie benötigen unsere Hilfe. Daran müssen wir denken, wenn wir eine Regierung unterstützen, die Menschen aus ihrer Heimat vertreibt. Dabei könnten wir von den Buschmännern so viel lernen - von ihrer Lebensweise, von ihren Kenntnissen über die Tiere und Pflanzen und ihrem Wissen, mit wenig zufrieden zu sein. Sie brauchen keine Entwicklungshilfe, wir müssen ihnen einfach nur ein Stück Land geben - zurückgeben.

Von den einst vielhunderttausend Buschmännern auch San, leben am Rand der Kalahari noch rd. 70.000, die sich wegen des verknappten Territoriums auf Gartenbau, Kleintierhaltung, Lohnarbeit, Handel und Handwerk umstellen mussten. Etwa 2.000 führen vielleicht noch ihr traditionelles Leben im Zentrum der Kalahari. Aber auch dort kommt es mittlerweile zu Vertreibungen durch Viehzüchter, Bergbauunternehmen und geplante Tierreservate.
 

Wenn  wir die Buschmänner (zwangsweise) in unsere Zivilisation aufnehmen, so führt dies für die meisten in Alkoholabhängigkeit und Elend. Denn unsere Welt ist nicht ihre Welt. Und sie sind für unsere Zivilisationskrankheiten natürlich noch viel anfälliger als wir.

Wer fühlt sich denn nunmehr wohl zuständig für die Buschmänner und überhaupt für die indigenen Völker? Der WWF schreibt: Der WWF vertritt hierbei eine klare Position, nämlich die, dass sich die Natur nachhaltig nur mit und nicht gegen die betroffenen Bevölkerungs gruppen schützen lässt. Die Forderung nach einem gerechten Interessensausgleich zwischen Naturschutz und betroffenen Bevölkerungsgruppen, zwischen lokalen und nationalen Interessen sowie letztlich auch zwischen reichen und armen Ländern hat über Naturschutzorganisationen hinaus Einzug in die Naturschutzpolitik zahlreicher Staaten gehalten. - Doch das Problem der Buschmänner steht bei dem in Namibia tätigen WWF genauso wenig auf der Tagesordnung wie bei Greenpeace, die mir schreiben, dass sie sich als Umweltorganisation spezialisiert auf Umweltthemen verstehen und dort eingreifen, wo mit der besten Signalwirkung für den Umweltschutz zu rechnen ist.
 

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Dr. Richard Faust a.D., Frankfurter Zoodirektor a.D. und Geschäftsführender Präsident der Zoologischen Gesellschaft, Frankfurt, schreibt: ... Ich kann Ihnen jedoch versichern, dass uns das Leben und Überleben von Naturvölkern sehr viel bedeutet und dass moderner Naturschutz immer primär versuchen muss, Lösungen mit den Menschen und nicht gegen sie zu finden. Nur so sind Schutzgebiete dauerhaft zu halten. Dass dabei gerade auch die Rechte von ursprünglich lebenden Jagdvölkern zu berücksichtigen sind, steht ohne Zweifel.

So nimmt die Zoologische Gesellschaft Frankfurt, Hilfe für die bedrohte Tierwelt ganz aktuell eine führende Rolle bei der Einrichtung sogenannter "Wildlife Management Areas" im Umfeld der Serengeti ein. Dabei geht es erstmalig darum, lokale Ressourcen (insbesondere auch die Wildbestände) in die Verwaltung der dortigen Bevölkerung zu übertragen. In einigen Projektgebieten wird in diesem Zusammenhang eng mit dem Jagdvolk der Hazabe kooperiert. Und an einem ganz anderen Fleck der Erde, im peruanischen Manu-Nationalpark, führen ZGF-Mitarbeiter Trainingskurse für störungsfreie Riesenotter Beobachtungen in einem von Machiguenga-Indianern betriebenen Tourismusprojekt durch.

Bernard Grzimek, der Gründer der berühmten Serengeti, wollte dieses Naturschutzgebiet zunächst nur für seine Tiere, bis er eines Tages ungewollt die besondere Gastfreundschaft der Massaii kennen lernte und dabei erfuhr, dass zur afrikanischen Welt auch die Menschen gehören, die dort ihr Zuhause haben.

Bei den so wunderschönen Eguassu-Wasserfällen Südamerikas wurde ein Tierreservat in der Größe eines deutschen Bundeslandes angelegt. Die hier lebenden Indianer wurden einfach vertrieben. Ganz im Süden Südamerikas wurden noch in den 20-er Jahren des letzten Jahrhunderts die Indianer systematisch ausgerottet. Auch die Buschmänner wurden vor nicht allzu langer Zeit bejagt, als ob sie Tiere wären.
 

Es wird mein ganzes Bestreben sein, daß die Buschmänner auf ihrem Land machen können was sie wollen. Wir müssen es ihnen überlassen, ob ihre Kinder einmal zur Jagd oder zur Schule gehen. Wir haben nicht das Recht, ihnen Vorschriften zu machen.
Wenn wir die Buschmänner so lassen wie sie sind, dann werden sie auch ihr Land so lassen wie es ist. Es wird also ein Stück echte und wirkliche Natur erhalten bleiben ohne, daß dort Bäume abgeholzt werden und dort viel zu große Herden den Boden kahlfressen. Natürlich ist es auch wahrscheinlich, dass die San eines Tages Felder bebauen und Tiere halten.

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Zu diesem Zweck wurde der Verein Unternehmen Buschmänner e.V. gegründet.

Die Buschmänner, auch San genannt, brauchen unsere Hilfe - ich höre gerne von Ihnen

    Carlo von Opel
   
Vorsitzender Unternehmen Buschmänner e.V.